11 Mythen über KDE 4

In etwas mehr als zwei Wochen werden die Entwickler von KDE die nächste Version des KDE-4-Desktops freigeben. Ob diese nun den Erwartungen der Benutzer entsprechen wird oder nicht, steht noch in den Sternen. Die Kritik und die enttäuschten Erwartungen, die nach der Veröffentlichung von KDE 4.0 geäußert wurden, und bis zur Forderungen eines Forks (Also einer Verzweigung) von KDE 4 gingen, werden aber sicher nicht einfach verschwinden. Viele dieser Kritikpunkte gehen allerdings zurück auf Desinformation und eine falsche Interpretation der Veröffentlichungspraktiken des KDE-Projekts und Freier Software.

Um diese Desinformationen auszuräumen hat Pamela Jones, die die Seite www.groklaw.net betreibt, Sebastian Kügler gebeten, auf die einzelnen Kritikpunkte einzugehen, was dieser mit dem Text "11 Myths About KDE 4" getan hat. Hier veröffentlichen wir eine deutsche Übersetzung um auch im deutschsprachigen Raum einige Missverständnisse über KDE 4 auszuräumen.

11 Mythen über KDE 4

~ von Sebastian Kügler, KDE e.V. (aus dem Englischen übersetzt von kubuntu-de.org)

In letzter Zeit wurde in der Community viel über KDE 4, das 4.0-Release und die KDE-Entwickler geredet (oder geklagt). Im folgenden Artikel wollen wir einige gängige Missverständnisse ansprechen, wie wir sie im Moment sehen. Wir glauben fest an KDE 4 und die Zukunft des Freien Desktops, wir haben geglaubt, dass die hitzigen Diskussionen über KDE 4 und insbesondere das 4.0-Release vorübergehen würden - und wir haben uns geirrt. Als Bloggen über die aufgetretenen Punkte nicht die Zuhörerschaft erreicht hat, die wir erreichen wollten, haben wir die Möglichkeit, die Groklaw uns mit diesem Artikel gab, mit beiden Händen ergriffen. Wir hoffen aufrichtig, dass er etwas erhellt, weshalb die KDE-Community getan hat, was sie glaubte tun zu müssen, und wir hoffen es zeigt, dass wir die Kritik ernst nehmen.

1. "KDE4 ist fertig"

Tatsächlich ist KDE 4.0 erst der Anfang. KDE 4.0 zeigt die Anfänge für einen öffentlich nutzbaren Desktop und seine Programme. KDE 4.0 markiert außerdem die Stabilität der Bibliotheken und der Programmierschnittstellen, so dass Anwendungsentwickler anfangen können, diese in ihren Programmen zu benutzen. Die neuen Funktionen und Technologien brauchen nur einige Zeit, um auch für den Benutzer sichtbar eingebunden zu werden. In diesem Licht markiert KDE 4.0 den Anfang der Verfügbarkeit von auf KDE 4-Technologie basierenden Anwendungen.

Anzunehmen KDE 4.0 stelle alle Möglichkeiten seiner Bibliotheken und Technologien für den Benutzer bereit, ist unrealistisch. Die Leistung an infrastruktureller Arbeit, die zur Version 4.0 geführt hat, werden sich erst in den kommenden Versionen zeigen. Mit KDE 4.1 gibt es aber bereits erste Anzeichen einer erhöhten Entwicklungsgeschwindigkeit, die den neuen Grundbausteinen zu verdanken ist.

KDE 4.0 ist der Start, nicht die Ziellinie.

2. "Die Veröffentlichung von KDE 4.0 war ein Fehler"

Viele der offiziellen Veröffentlichungsmittteilungen auf kde.org enthielten den folgenden Text: "Das Ziel des KDE-Projektes für das KDE-4.0-Release ist es, die Voraussetzungen für zukünftige Innovationen des freien Desktops zu schaffen. Die vielen neu eingeführten Technologien in Verbindung mit den KDE-Bibliotheken werden es für Entwickler einfacher machen, ihren Anwendungen viele Funktionen hinzuzufügen und verschiedene Komponenten so zu kombinieren und zu verbinden, wie sie es möchten."

Dies war in allen Nachrichten konsistent. Wir haben mit KDE 4.0 nur dann versagt, wenn man die Arbeit mit andern Kriterien bewertet, nicht mit unseren klar definierten Zielen. Wir sind glücklich, dass so viele Leute das 4.0-Release so freudig erwartet haben, aber in einigen Fällen waren die Erwartungen trotz unserer Bemühungen zu hoch. Wir verstehen die Aufregung, die über die letzten 2 Jahre entstanden ist, aber wir haben Diskussionen geführt und versucht, die Aufregung der Leute für 4.0 zu bremsen, so dass sie nicht derartig enttäuscht werden, wenn 4.0 erscheint.

Auf der anderen Seite muss man sich daran erinnern, dass wir parallel weiter an der 3.5-Serie arbeiten, welche noch immer verfügbar ist. KDE 3.5.10, ein neues Bugfix- und Übersetzungsupdate erscheint im August. Wir haben Benutzer, die nicht dazu bereit sind diese neue in noch starker Entwicklung befindliche Technologie zu nutzen, bestärkt, weiterhin die 3.5 Serie zu verwenden.

Warum wurde dann KDE 4.0 im Januar veröffentlicht?

Wählen wir für eine Weile einen Blick aus einer weiteren Perspektive: Schauen wir einmal, wie es im Rahmen der Dinge aussieht, die noch kommen werden. Die große Frage, die sich stellt ist: Hätten wir nicht das, was jetzt KDE 4.1 werden wird, als KDE 4.0 freigegeben können? Wenn das wirklich möglich gewesen wäre, dann wäre es sicher die richtige Wahl gewesen. Aber das war aus mehreren Gründen nicht möglich.

Veröffentliche früh, veröffentliche oft (release early, release often). Eine der Säulen der Entwicklung von Freier Software ist das Prinzip die Software zu veröffentlichen, sobald sie für andere einen Nutzen darstellt, so dass diese einsteigen können.

Niemand hat je versprochen, dass KDE 4.0 funktional gleichwertig zu KDE 3.5 sein würde. Mit KDE 4.0 wurde ein stabiler Satz an Programmbibliotheken und ein grundsätzlich funktionaler Desktop geliefert. 4.0 aus technischer Sicht meint: von diesem Punkt an werden unsere Programmbibliotheken bis 5.0 binärkompatibel sein. 4.0 an diesem Punkt nicht zu veröffentlichen hätte bedeutet, hunderte Softwareentwickler davon abzuhalten ihre Programme zu portieren und freizugeben. Nicht zu veröffentlichen hätte diesen Programmen geschadet - sie hätten nicht die detaillierte Aufmerksamkeit bekommen, die sie verdient haben. Wir sprechen hier über Kernanwendungen wie Dolphin, aber auch andere Teile von KDE, wie die Lernprogramme, Grafikprogramme, und Spiele. Nicht zu veröffentlichen hätte auch für sie bedeutet, weniger Helfer und Nutzer zu haben, als sie es verdient haben - noch etwas was wir nicht wollen.

Zurzeit scheint sich die von der Öffentlichkeit wahrgenommene Qualität von KDE auf Plasma zu konzentrieren. Plasma ist die neueste, am stärksten sichtbare Komponente von KDE 4. Für diese Art von neuer Technologie braucht es einfach ein bisschen Zeit und viele Rückmeldungen von den Benutzern bis wir die gewohnte Umgebung liefern können, wie wir sie in der Vergangenheit erreicht haben.

Ein zweites Problem ist die Paketierung. KDE 4.0 ist relativ schwer in Binärpakete zu verwandeln, nicht weil es an sich schwer ist - eigentlich ist es wesentlich leichter und schneller zu paketieren als KDE 3.x. Aber es ist neu, und neue Dinge brauchen immer eine Eingewöhnungsphase. CMake, Subversion, viele neue Abhängigkeiten, zahlreiche neue Teile der Architektur, Veränderungen in der internen Struktur der KDE-Kernpakete, wie KDELibs und KDEBase... Es wird eine Weile brauchen bis sich die Paketbauer darauf umgestellt haben. Wir können nicht von den Distributionen verlangen, dass sie sofort Pakete in der Qualität der KDE-3.5.x-Pakete herausgeben. Wenn KDE 4.1 freigegeben wird, werden sie allerdings schon einige Erfahrungen haben und die Dinge hoffentlich schneller bewältigen. (Wenn Sie sich davon ein Bild machen möchten - testen Sie einfach ein paar unterschiedliche KDE 4.0-Distributionen... Diese unterscheiden sich stark in Sachen Stabilität, Funktionsumfang, Standardeinstellungen, usw.)

Ein dritter Grund ist das Auffinden von seltenen, undurchsichtigen oder Randproblemen. Viele der Probleme in KDE 4.0 werden von den KDE-Entwicklern behoben. Aber einige können nicht behoben werden. Wenn man die Grenzen der Technologien vorantreibt, wird man auch zurückgeworfen. Wir haben Probleme in Treibern, mit der Architektur von X, dem Fenstermanagement, Qt und anderen aufgedeckt. Ohne die frühe Veröffentlichung, und Rückmeldungen der Benutzern, würden diese Unannehmlichkeiten im verspäteten ersten Release auftreten. Das würde die Benutzer genauso hart treffen, wie es sie jetzt trifft.

Schlussendlich ist KDE ein sehr komplexes Biest, sowohl technisch als auch gesellschaftlich. Es enthält hunderte von Anwendungen, ein umfangreiches Entwicklungsframework und darauf aufgebaut eine Arbeitsumgebung und buchstäblich Hunderte von Mitarbeitern mit den unterschiedlichsten Hintergründen. Es ist fast unmöglich, dass all diese Dinge zur gleichen Zeit fertig sind. Wir waren in der Lage eine erste Basisversion des Desktops mit dem Entwicklungsframework und einigen schon sehr gut funktionierenden Anwendungen zu veröffentlichen. Wir haben in unserer Kommunikation die komplexe Situation nicht deutlich genug gemacht. Aber wir sind Softwareentwickler, wir erstellen Software...

3. Ein KDE-Fork muss her

Das sog. Forken, d. h. das Abzweigen und Weiterentwickeln von Software, ist immer nur der letzte Ausweg. Obwohl es eine Möglichkeit für jeden Softwareentwickler ist, bringt es doch eine hohe Last und eine große Verantwortung mit sich, was auch erklärt, weshalb dies so selten passiert. Es ist ein letzter Versuch, der durchgeführt wird, wenn die Richtung und das Management einer gegebenen Software sich nicht mehr mit der Vision eines Entwicklers oder einer Gruppe von Entwicklern deckt.

Wir glauben nicht, dass wir auch nur ansatzweise Nahe an so einem Punkt stehen. Eine Abspaltung ist nur dann eine Notwendigkeit, wenn alle anderen Alternativen fehlgeschlagen sind. Momentan aber schreien einige Leute nach einem Fork ohne auch nur ansatzweise andere Möglichkeiten getestet zu haben. Wir erachten dies als verantwortungslos.

Die KDE-Gemeinde ist absolut offen für neue Ideen, neue Mitwirkende und neue Wege. Jeder Beteiligte wird dem zustimmen. Diejenigen, die empfinden, dass man Ihren Anforderungen nicht gerecht wird oder finden, dass der eingeschlagene Weg nicht der Richtige ist, sind herzlich willkommen, die Mailinglisten zu abonnieren und Ihre Meinungen kund zu tun.

Das Forken bringt enorme Anstrengungen mit sich, den abgespaltenen Code zu pflegen und zu warten. KDE ist eine komplexe Zusammenstellung von untereinander verknüpften Anwendungen und Bibliotheken, mit insgesamt mehr als 3 Millionen Zeilen an Quelltext (nach Angaben von Coverity). Es braucht nicht viel Verstand um zu erkennen, dass die Last geringer wird, je mehr Menschen daran arbeiten. Es ist definitiv besser mit den gegenwärtigen Entwicklern zusammen zu arbeiten, anstatt eine neue Gruppe aufzubauen.

Bereits in der Vergangenheit wurde vorgeschlagen KDE zu forken und es ist stets fehlgeschlagen. Wann immer diese Idee zutage trat, entgegnete die KDE-Gemeinde demgegenüber ihre Skepsis, aber bot jedem potentiellen Abzweig-Anwärter an, stattdessen der Gemeinschaft beizutreten. Selbst wenn Code veröffentlicht worden ist, reagierte die Community darauf mit einem Angebot zur Zusammenarbeit, wie auch zum Einbeziehen der Verbesserungen. In jedem Fall war es bisher so, dass die Einladung abgelehnt wurde: die Abzweiger traten der KDE-Gemeinde nicht bei und verwarfen stattdessen ihre Ideen.

KDE 3 abzuzweigen und dies wiederum auf Qt 4 zu portieren ist ein ungeheuer aufwändiges Stück Arbeit. Das KDE-Team hat 3 Jahre damit verbracht. Wir sind nicht der Ansicht, das irgend eine Entwicklergruppe gewillt ist, diese Arbeit erneut auszuführen. Nichtsdestotrotz ist der Quelltext offen. Wenn irgend jemand dies versuchen möchte, dann stellen wir sogar Berechtigungen für unsere Server bereit.

4. "KDE muss Plasma aufgeben"

Die meiste schlechte Kritik über KDE 4 muss bisher Plasma einstecken. Der Rest des Desktops, die anderen Anwendungen und Bibliotheken und Frameworks werden üblicherweise sehr gut von den Benutzern aufgenommen, besonders von denjenigen, die bereit sind sich diese neuen Technologien frühzeitig zunutze zu machen. Da das Forken von KDE in seiner Gänze aufgrund technischer Aspekte nicht zur Diskussion steht (s. o.), verlangen manche, dass Plasma aufgegeben wird und Kicker und KDesktop wiederbelebt werden. Die Leute, die einen Fork ersehnen, sind dazu eingeladen die Arbeit an Kicker wiederaufzunehmen. Wie schon bei früheren Anlässen heißt die KDE-Gemeinde diese Entwickler willkommen und wir werden Ihnen sogar Zugänge zu unseren Subversion Servern einrichten, wenn sie diese Arbeit wirklich auf sich nehmen wollen. Der Code für diese Anwendungen wurde sogar bereits teilweise auf die neuen KDE-4-Bibliotheken portiert, sehr früh im Entwicklungsprozess, der zu KDE 4.0 führte.

Das derzeitige KDE-Team hat jedoch keine Pläne Kicker oder KDesktop wiederzubeleben.

5. "Plasma mangelt es an Funktionalität"

Plasma ist eine von Grund auf neue Entwicklung. Das war nötig, da der alte KDE-3-Code mit KDesktop, Kicker und der MiniCLI (der Dialog "Befehl Ausführen", den man erhält, wenn man ALT + F2 drückt) starke Skalierbarkeitsprobleme aufwies. Außerdem haben sich die Anforderungen und Erwartungen der Benutzern an ein Desktop-System geändert. Die neuen Komponenten können nun neue graphische Funktionen aufweisen - wie z. B. Compositing und Animationen - welche entweder nur sehr schwer oder schlicht unmöglich mit der alten KDE 3 Technologie umzusetzen wären.

Plasma in KDE 4.0 bestand aus einem traditionellen Desktop samt Leiste und Menü zum Starten von Anwendungen. Es war in keiner Weise dazu gedacht die volle Funktionalität zu ersetzen, die in KDE 3 über die Jahre gereift ist. Plasma macht es jedoch relativ einfach diese Komponenten zu ersetzen, so dass es mit Applets und Code zu etwas sehr Leistungsfähigem ausgebaut werden kann.

Der wahrgenommene Mangel an Funktionalität liegt hauptsächlich an den Standardeinstellungen und Applets in 4.0. So wie die Technologie reift und KDE 4.1/4.2 veröffentlicht werden, denken wir, wird diese Beschwerde auch überholt sein.

6. "Ich kann keine Dateien auf meinen Desktop legen"

Die Ordner-Ansicht (das "Folderview Plasmoid", das in KDE 4.1 standardmäßig aktiviert ist) zeigt Dateien auf deinem Desktop an und bietet die Möglichkeit, mit diesen so zu arbeiten, als wenn Sie einen Dateimanager verwenden würde. Auch wenn sie die Funktionalität von "Icons auf dem Desktop" bietet, ist sie doch weitaus leistungsfähiger als das. Man kann sich beliebige Ordner auf dem Desktop anzeigen lassen, auch Netzwerkfreigaben, und mit ihnen Arbeiten als wären die Dateien lokal gespeichert. Der Benutzer kann sich auch andere Ordner als ~/Desktop anzeigen lassen, nach Dateitypen filtern und so weiter.

Die Ordner-Ansicht kommt mit KDE 4.1 zu KDE und ersetzt die klobige Unterstützung für Icons auf dem Desktop in KDE 4.0. In KDE 4.2 ist es geplant, eine Ordner-Ansicht als Desktophintergrund nutzbar zu machen.

Also: Die Ordner-Ansicht ermöglicht, Dateien auf dem Desktop abzulegen.

7. "Die gesamte KDE-4-Desktopoberfläche ist radikal neu"

Während die unterliegenden Technologien viele neue Möglichkeiten bieten um mit Computern zu interagieren und zukünftig noch viele weitere Möglichkeiten haben werden, um mit verschiedenen Benutzertypen und verschiedenen Geräten zu arbeiten, ist die Desktopoberfläche von KDE 4.0 und KDE 4.1 größtenteils abwärtskompatibel mit den Desktops, die wir in den letzten 20 Jahren gesehen haben: eine Leiste um zwischen Anwendungen umzuschalten, eine Menüstarter und viele kleine Funktionalitäten, wie eine Uhr. Benutzer werden nicht dazu gezwungen neue Verhaltensweisen zu erlernen, außer sie wollen die Vorteile neuer Funktionen nutzen, wie das Dashboard oder Applets.

Die Desktopoberfläche wurde in den letzten 20 Jahren nie radikal verändert. Das KDE-Team arbeitet daran, ein Fundament für neue und innovative Wege zu legen, um mit dem Desktop zu arbeiten, während die traditionellen Wege noch bereitgestellt werden, so dass aktuelle Benutzer nicht befremdet werden.

8. "Ich bin gezwungen das Kickoff-Menü zu nutzen"

KDE 4.0.4 und KDE 4.1 bieten beide die Möglichkeit einfach vom Kickoff-Anwendungsstarter auf das klassische Menü zu wechseln, das aus KDE 3 bekannt ist. Um auf das klassische Menü zurück zu wechseln, klickt der Benutzer mit der rechten Maustaste auf den Knopf des K-Menü und wählt "Wechsel zu klassischem Menü-Stil".[1]

Aus dem Kickoff Kontextmenü, kann einfach zum klassischen Menüstil gewechselt werden.

[1] Der Workaround von dburns: Im KDE 4.0 von Kubuntu funktioniert das Wechseln mit Rechtsklick nicht so wie bei Mandriva. Nachdem ich ein bisschen in den Optionen geguckt habe, habe ich "Widgets hinzufügen..." geöffnet und dann das Fenster erweitert. Das traditionelle Menü ist jetzt eine Auswahlmöglichkeit. Du kannst das alte Menü nicht sehen, bevor das Fenster nicht erweitert wurde. Das war früher nicht so, aber ich habe an einem anderen Tag ein paar Updates für KDE 4 heruntergeladen und vielleicht wurde da diese Option installiert.

Anmerkung der Übersetzer: Mit den neuesten KDE 4.1 Paketen ist das Rechtsklickmenü auch unter Kubuntu vorhanden.

9. "Das KDE-Team hört nicht auf seine Benutzer"

KDE, als Freie-Software-Projekt, ist offener gegenüber seinen Benutzern, als jedes vergleichbare Software-Team. Alle Mailinglisten sind offen für Vorschläge, die Entwicklung kann direkt über Subversion verfolgt werden und die Entwickler sind im Allgemeinen ohne Probleme für Interessierte erreichbar; sei es über die Mailinglisten, im IRC oder direkt per E-Mail.

Aber die Entwickler benötigen genaue Informationen. Es ist schwer auf vage Aussagen wie "Ich mag das neue Dingsbums nicht" einzugehen. Präzise Meldungen, die detailliert derzeitiges und erwartetes Verhalten und den Anwendungsfall beschreiben (sowie teilweise etwas Geduld), erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass sich jemand dem Problem widmet. Beleidigungen, Gejammer oder das Verbreiten von FUD (engl.: fear, uncertainty, doubt - zu dt.: Angst, Unsicherheit und Zweifel) stärken die Motivation des Entwicklers in keiner Weise; stattdessen kommt es meistens dazu, dass der Entwickler demotiviert wird, dieses spezielle Problem zu lösen. Benutzer, die eine bestimmte Funktionalität in KDE 4 vermissen, sollten gemeinschaftlich, hilfsbereit und offen gegenüber Alternativlösungen sein.

Jeder sollte sich auch bewusst sein, wie man sich gegenüber Entwicklern Freier Software zu verhalten hat. Diese haben keine Verpflichtung einem Benutzer zu helfen sondern arbeiten auf einer rein freiwilligen Basis.

In manchen Fällen müssen wir aufwiegen, wann wir auf bestimmte Nutzer hören sollten oder nicht. Im Großen und Ganzen werden wir vermutlich die gewohnte Umgebung einiger Leute verlassen. Es wird immer Widerstand gegenüber Veränderungen geben, nur sind diese notwendig zum Überleben. Ein gewisser Raum für Innovationen muss vorhanden sein, und tatsächlich liegt dieser im Herzen von Freier Software. KDE 3.5 wäre nicht das stabile Produkt das es jetzt ist, hätten wir nicht immer mal wieder einige Stimmen ignoriert. Und KDE 4 würde niemals Realität werden.

10. "KDE 4 und 4.0 ist verwirrend"

Mit "KDE 4" wird der komplette Lebenszyklus von Technologien wie Phonon, Plasma, Solid und weiteren bezeichnet. "KDE 4" umspannt den kompletten Lebenszyklus. KDE 4.0 ist das erste Release, das neue Technologien für die Öffentlichkeit bereitstellt. Nachfolgende Releases (wie KDE 4.1 und 4.2) bauen auf den "Säulen von KDE 4" auf. Die Technologien, die zwar schon vorhanden sind, aber noch nicht vollständig sichtbar sind, werden mit der Zeit ans Tageslicht kommen. Benutzer, insbesondere Benutzer von Freier Software, welche typischerweise vertrauter mit Softwareoptionen und Verfügbarkeiten sind, hatten generell wenig Probleme OS X und seine nachfolgenden Releases, Windows XP und seine Servicepacks, Linux 2.6 und seine Punkt-Null-Releases, usw. zu verstehen. KDE 4 ist das neue Hauptsoftware-Modell im KDE-Projekt und KDE 4.0 ist einfach das allererste Release. Es war sinnvoll, dass wir uns für das Release auf den technologischen Unterbau und die Architektur konzentriert haben um KDE 4 auf Jahre zukunftssicher zu machen.

11. "KDE hätte einfach KDE 3.5 zu Qt 4 portieren und nicht sofort all diese experimentellen Features hinzufügen sollen"

Das ist keine dumme Idee und wurde ernsthaft überlegt. Das Problem damit ist zweiseitig: gesellschaftlich und technisch.

Vom gesellschaftlichen Standpunkt aus gesehen, geht die Aussage davon aus, dass das Umverteilen von Entwicklungsaufwand effektiv ist. Bis zu einem bestimmten Maße ist das auch der Fall, nur ist für etliche Entwickler das Programmieren ohne Hinzufügen von neuen Funktionen überhaupt kein Programmieren. Nicht jeder ist gut im Entwickeln von grundlegenden Dingen (oder gewillt es zu tun). Damit mussten und müssen wir und andere Projekte kämpfen. Die Entwicklung von KDE 4 ist langsamer verlaufen als wenn wir fähig/gewillt gewesen wären die Programmierer zu der Arbeit zu zwingen, von der irgendein Manager überzeugt wäre ... Aber das ist einfach nicht die Art und Weise wie FOSS (Freie und Open-Source-Software) funktioniert.

Auf der technischen Seite gibt es zwei Punkte: zuerst einmal hätte eine reine Portierungs-Version mit der Zeit erneut überarbeitet werden müssen und wir hätten somit keine Binärkompatibilität garantieren können. Die erste Version wäre dadurch völlig nutzlos für Dritte zum Entwickeln von Anwendungen gewesen. Eine solche Version wäre zwar sicher ganz nett für den Endnutzer, aber vom Blickwinkel der Entwickler aus eine hoffnungslose Zeitverschwendung und der Fortschritt von KDE als eine Entwicklungsumgebung minimal - wenn überhaupt. Diese Entwicklungsumgebung ist aber gerade einer der grundlegenden Schwerpunkte von KDE 4.0 - wir wollen den Freien Desktop nach vorne bringen (langfristig gesehen).

Und das zweite Problem wäre, dass die Programmierer eine Menge an altem Code hätten portieren müssen, der überhaupt nicht mehr auf der neuen Plattform benötigt wird. Als Vorzeigebeispiel denkt man natürlich an KDesktop und Kicker: viele Benutzer baten die KDE-Entwickler Kicker und KDesktop zu Qt 4 zu portieren, aber dazu kam es nicht, da es ein enormer Arbeitsaufwand gewesen wäre und über die Zeit gesehen keine haltbare Lösung dargestellt hätte. Anders ausgedrückt: es hätte schlicht die Veröffentlichung von Plasma um ein weiteres Jahr verschoben und man hätte langfristig keinen Vorteil mehr. Dasselbe trifft auf die Multimediafähigkeiten, alles was Chat und PIM (Persönliche Informationsverwaltung) betrifft usw. zu. Einfach gesagt: eine Menge.

Innovation in Technologie wird nie ohne Änderungen stattfinden. Änderungen werden niemals ohne Schwarzseher vonstatten gehen. So stark wie wir auch versuchen beide Seiten zu respektieren, der Desktop hat in den letzten 15 bis 20 Jahren kaum eine Innovation gesehen. Die KDE-Entwickler brauchen einen gewissen Raum für neue Ideen um in der Lage zu sein, den Freien Desktop auf die nächste Generation von Computern und Computernutzern zu bringen.