KDE4 und Kubuntu

Die viel diskutierte vierte Version des K Desktop Environment beginnt langsam Formen anzunehmen. KDE4 wird komplett auf qt4 aufsetzen, was bedeutet, dass alle unter KDE3.x laufenden Anwendungen an QT4 angepasst werden müssen. Viele Anwender erhofften sich die Veröffentlichung bereits letztes Jahr, wurden aber enttäuscht, denn der Aufwand dafür scheint doch größer, als erwartet. Obwohl Spötter KDE 4 schon als "Vaporware" bezeichnen, scheint eine Veröffentlichung in diesem Jahr jedoch immer wahrscheinlicher. Nachdem bereits drei Snapshots für Entwickler veröffentlicht worden sind, präsentierte das Release Team von KDE jetzt einen Zeitplan bis zum Erscheinungstermin des ersten stabilen Version im Oktober.

Wie aus dem Releaseplan hervorgeht wird die Version 4.0 noch nicht alle geplanten Funktionen besitzen. Man verspricht sich von der Veröffentlichug dieser "Basisversion" aber eine Beschleunigung der Arbeit an den fehlenden Verbesserungen, die dann in die Version 4.1 einfließen sollen. Mit dem Festschreiben der, in den KDE-Bibliotheken (kdelibs) enthaltenen Subsysteme wäre am 1.April ein "Meilenstein" erreicht. Damit wären die Bibliotheken frei von KDE3-Code und die Build-Umgebung festgelegt. Am 1. Mai soll dann das auf QT 4.3 aufbauende API eingefroren werden und eine Alpha version von KDE 4.0 erscheinen. Bis dahin soll auch festgelegt werden welche Hauptmodule in der Version erscheinen und welche von KDE 4.0 abgetrennt werden. Danach sollen monatlich Betaversionen zur Fehlerkorrekturen erscheinen. Im Oktober könnte dann KDE 4.0 tatsächlich veröffentlicht werden.

kubuntu-de.org hat Jonathan Riddell, den Chefentwickler von Kubuntu zum Thema KDE4.0 und die Auswirkungen auf Kubuntu befragt:

 

 

Redaktion: Jonathan, viele Kubuntu-Nutzer warten begierig auf KDE 4, kannst du uns einen Blick hinter die Kulissen geben, oder lässt dir die Arbeit an Kubuntu keine Zeit für KDE 4?

Jonathan Riddell: Beim letzten Ubuntu Entwickler-Gipfeltreffen habe wir uns mit dem Thema KDE4 beschäftigt und die Einführung in die Archive geplant. Die Pakete kde4libs und kde4base sind schon eingefügt, der Rest ist in einer Warteschleife bis ein Administrator sie genehmigt. Einige der Pakete sind aufgrund von Lizenproblemen schon abgelehnt worden (nichts weltbewegendes, einfach nur eine fehlende Datei). Deshalb ist es gut, dass wir schon so früh damit beginnen, damit solche Probleme gleich beseitigt werden können. Diese neuen Pakete können parallel mit dem gegenwärtigen KDE 3 installiert werden und innerhalb KDE 3 oder in einer eigenen Sitzung benutzt werden. Allerdings sind die neuen Pakete noch sehr instabil und daher noch nicht für den täglichen Gebrauch geeignet. Außerdem wurden noch keine Abhängigkeiten definiert, weshalb sie manuell installiert werden müssen.

Jonathan Riddell:
Der 25 jährige Schotte Jonathan Riddell ist Kubuntu Chefentwickler und bei Canonical angestellt. Er kennt Kubuntu wie niemand sonst, bei ihm laufen die Fäden zusammen. Er koordiniert, programmiert, stellt eigene Pakete zur Verfügung und weiß auf fast jede Frage zu Kubuntu eine Antwort. Darüberhinaus arbeitet er bei KDE mit. In seiner Freizeit fährt er gerne Kanu oder besucht Quäker Versammlungen.

 

Redaktion: Für Kubuntu 6.10 gibt es KDE 4-Entwicklerpakete, wird es bald auch eine Testversion für normale Anwender geben?

Jonathan Riddell: Unser gegenwärtiges Hauptanliegen ist die Erstellung und Bereitstellung von Werkzeugen für die Entwickler. Wir wollen das neueste CMake (das neue Software-Paketerstellungssystem für KDE 4) in Feisty und den Backports zur Verfügung stellen. Wir haben auch die neuesten Strigi und Decibel Bibliotheken die für KDE 4 gebraucht werden. Die Anwender sind eingeladen diese Pakete auszuprobieren, aber ich kann es nicht empfehlen sie wirklich zu benutzen, außer um Fehler zu finden und damit zu beginnen sie zu bereinigen.

Redaktion: Unlängst gab es Berichte in der Presse, die für die Veröffentlichung eines Release-Fahrplans waren. Was schätzt du, wann wird KDE4 veröffentlicht?

Jonathan Riddell: Vor einiger Zeit habe ich gehofft es für letzten Oktober zu schaffen. Das war KDEs 10. Geburtstag. Offensichtlich lag ich damit ziemlich daneben. Vielleicht sollte ich jetzt eine Schätzung um den 11. Geburtstag herum abgeben :) Selbst nachdem KDE 4 freigegeben wurde, werden für eine Weile immer noch KDE 3 Anwendungen im Umlauf sein, da es eine ziemlich lange Zeit dauern wird bis die Portierungen für alle Anwendungen abgeschlossen sein werden. Wir haben schon damit begonnen Kubuntu mit Ubiquity und anderen Anwendungen die schon jetzt Qt 4 benutzen, für KDE 4 umzusetzen. Andererseits sind einige Anwendungen wie Adept und Guidance KDE-funktionalitätsabhängig, sodass es nicht möglich ist die Portierung zu beginnen bis KDE 4 stabiler geworden ist.

Redaktion: Wenn KDE 4 veröffentlicht ist, welche Kubuntu Version wird es beinhalten, 7.10 oder eher 8.04?

Jonathan Riddell: Ich vermute, dass KDE 4 nicht stabil genug sein wird, um als Standardbenutzeroberfläche für 7.10 fungieren zu können. Für 8.04 sollte es fertig sein, aber es ist möglich, dass 8.04 unsere nächste LTS-Version sein wird. Wir wollen auf keinen Fall, dass unsere erste KDE 4-Version auch eine LTS-Version ist. Auf jeden Fall werden wir Pakete und ISO-Dateien zur Verfügung stellen, damit sie jeder austesten kann, sobald es irgendwie möglich sein wird dies zu tun ohne den Verstand zu verlieren.

Redaktion: Wir bedanken uns für das Interview.

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