Interview: Harald Sitter über Amarok und KDE 4

Harald Sitter auf dem LinuxTag 2007Apachelogger im Interview mit kubuntu-de.org

Hinweis: The English Translation could be found here. (Die Englische Übersetzung ist hier zu finden. )

Harald Sitter, auch bekannt als apachelogger, wurde vor einiger Zeit zum Kubuntu MOTU ernannt und arbeitet in seiner Freizeit als Projektmanager beim Amarok-Projekt. Wir sprachen mit ihm über Amarok 2 und was in Bezug auf KDE 4 bei Kubuntu 8.04 Hardy Heron zu erwarten ist.

kubuntu-de.org: Kannst du kurz beschreiben, wer du bist und was du für Kubuntu so treibst?
Harald: Mein Name ist Harald Sitter, ich bin ein 19-jähriger Österreicher und einer der Kubuntu MOTUs (also verantwortlich für die Verwaltung des größten Paketbereichs der Ubuntu-Archive).

kubuntu-de.org: Was heißt denn MOTU und in welchen Projekten bist du sonst noch aktiv?
Harald: MOTU steht für Master Of The Universe (also die total oberwichtige Person ;-). Ansonsten bin ich auch bei KDE tätig, und bin Projektmanager bei Amarok.

kubuntu-de.org: Amarok ist ein gutes Thema. Warum sollte eigentlich Amarok 2 entwickelt werden? Amarok ist doch auch so schon eine der Vorzeigeanwendungen des KDE Projekts?
Harald: Amarok 1 war gut, aber wir wollten einen Amarok der genau so sexy wie die Entwickler ist. Mit den Technologien, die Qt 3/KDE 3 bereitstellen, ist das allerdings nicht möglich. Speziell im Bereich von Grafik und Grafikmanipulation hat sich bei den neuen Versionen einiges getan, weshalb Amarok 2 jetzt, obwohl es noch relativ unfertig ist, besser aussieht als sein Vorgänger. Wenn man ehrlich ist, dann wäre wohl eine Version 2 schon vor langer Zeit gerechtfertigt gewesen. Man muss sich nur die Menge an neuen Funktionen in Amarok 1.4 ansehen. Ich finde das ist der pure Wahnsinn.

Jedenfalls ist es uns durch das neue KDE und das neue Qt möglich, noch viel weiter zu gehen, als wir das mit Amarok 1 konnten. Bestes Beispiel sind wohl die neuen Web-Services. Durch das neu entwickelte Framework kann eine fantastische Interaktion mit Last.fm oder Ampache erreicht werden, tatsächlich sogar so, dass die jeweiligen Webseiten unnötig werden - was ganz im Zeichen unseres Plans der Übernahme der Weltherrschaft steht :-D.

KDE 4 ermöglicht es uns natürlich auch, Amarok 2 auf Linux, Mac und Windows zu veröffentlichen. Das ist ein wichtiger Punkt. Seit ich beim Team bin (und das sind auch schon mindestens 4 Jahre), haben wir immer wieder Anfragen über Amarok auf Windows/Mac erhalten.

kubuntu-de.org: Welches ist denn dein Lieblingsfeature in Amarok 1 und welches wird es in Amarok 2 sein?
Harald: Hmmm. Schwere Frage. Bei beiden wohl die Kontext-Informationen, welche in Amarok 2 viel größere Aufmerksamkeit bekommen und auch grafisch hübscher aufbereitet sein werden, als in Amarok 1.

kubuntu-de.org: Du bist ja derzeit sehr engagiert in der Entwicklung von Kubuntu. Wir haben dir ja unter anderem die Pakete für KDE 4.0.1 zu verdanken. Was machst du denn, wenn du dich gerade nicht mit Kubuntu und Open Source beschäftigst?
Harald: Ja, KDE 4 ist aktuell mein absoluter Liebling. Es gibt kaum einen Tag, an dem ich nicht mindestens 2 Stunden an unseren Kubuntu Paketen frickle. Ansonten bin ich mit Party feiern beschäftigt. Wenn ich eines bei Amarok gelernt habe, dann wie man richtig feiert. Gelegentlich soll es auch vorkommen, dass ich lerne, aber das eher selten. 

kubuntu-de.org: KDE 4 ist ja momentan noch recht unvollständig. Wie wollt ihr es schaffen, dass sich die KDE 3 Programme nahtlos in den Desktop einfügen? Gerade was die Einstellungen angeht, ist da ja noch einiges zu tun. Die Systemeinstellungen von KDE 4 und 3 paralell zu betreiben wird ja kaum eine Lösung sein, oder?
Harald: Das Konzept hinter der Koexistenz von KDE 3 und KDE 4 ist nicht einfach zu erklären. Es ist prinzipell so, dass sich jedes KDE 3 Programm in KDE 4 verwenden lässt und andersrum. Das ist vor allem wichtig, da momentan kaum Software für KDE 4 verfügbar ist, abgesehen von den Standard-KDE-Programmen. Kontact etwa hält noch einen Winterschlaf. Wir haben speziellen Wert darauf gelegt, dass sich vor allem bei den Einstellungen die verschiedenen Versionen nicht in die Haare bekommen.

Was die Systemeinstellungen angeht, wissen wir selbst noch nicht genau wie wir das regeln (ich habe sowieso generell wenig Ahnung was ich überhaupt bei Kubuntu mache ;-). Wir werden allerdings wohl keinen Desktop ohne entsprechende Einstellungsmöglichkeit (z. B. Benutzerverwaltung) veröffentlichen. Wir haben da schon einige Lösungsmöglichkeiten im Ärmel, alle streng geheim natürlich. Insgesamt lässt sich sagen, dass wir aktuell zu fünft unter Hochdruck ausschließlich an KDE 4 feilen, um für 8.04 den geilsten, genialsten, fantastischsten Desktop überhaupt zu erstellen.

kubuntu-de.org: Die Kritik an KDE 4.0 war ja nicht zu überhören. Woran lag das deiner Meinung nach? Hatten die Nutzer zu hohe Erwartungen?
Harald: Teilweise. Man muss sich selbst immer wieder vor Augen halten, dass KDE 4.0 nur der Anfang einer langen KDE 4-Serie ist und daher einige angekündigte Funktionen nicht oder nur teilweise vorhanden sind. Auch wird das gesamte Potential der neuen Platform zu nicht einmal 10% ausgenutzt. Meiner Meinung nach wird KDE 4 in den nächsten Monaten und Jahren eine der genialsten Desktop-Umgebungen werden, die es jemals gegeben hat.

Die Kritik war allerdings auch zum Teil selbst gemacht. Vor allem Plasma, welches ja als Desktop der elementarste Bestandteil von KDE 4 ist, war ganz einfach nicht bereit für eine Veröffentlichung. In den ersten Wochen habe ich etwa 10 kritische Fehler in unseren KDE 4.0.0 Paketen ausbügeln müssen, da sie den Desktop großteils unbenutzbar gemacht haben. Die meisten davon waren in Plasma. So etwas sollte ganz einfach nicht passieren, aber in 4.0.1 hat sich das schon enorm verbessert. Ich rechne damit, dass 4.0.3 (welches vermutlich in Kubuntu 8.04 verwendet wird) einen einsatzfähigen Desktop für die meisten Benutzer darstellen kann.

kubuntu-de.org: Ok, dann sag uns zum Abschluss noch, welches dein Lieblingsprogramm von KDE 4 ist und warum.
Harald: Hm. Nach gründlicher Überlegung und einem Blick in die Taskleiste, muss ich sagen, dass es wohl Dolphin ist, da ich ständig mehrere Fenster geöffnet habe ;-). Allerdings, ganz ehrlich, am liebsten habe ich etwas, dass den meisten garnicht in den Sinn kommen würde bei dieser Frage: Oxygen. Erst Oxygen macht KDE 4 zu dem was es ist: Ein durch und durch hübsches System mit einheitlichem, extrem scharfen Aussehen.

kubuntu-de.org: Harald, wir danken dir für dieses Interview und natürlich auch für die gute Arbeit an Kubuntu und KDE.
Harald: Danke für das Verarbeiten meiner wahnsinnigen Gedankengänge. FREE SOFTWARE RULEZ! :D