Anläßlich der Akademy 2008, der KDE-Konferenz, die vom 9. bis 15. August im belgischen Sint-Katelijne-Waver stattfand, haben wir auf der FrOSCon die Chance ergriffen und Lydia "Nightrose" Pintscher dazu befragt. Lydia Pintscher ist in die Projekte KDE, Amarok und Kubuntu involviert.
Hallo Lydia, stelle dich doch erstmal vor.
Mein Name ist Lydia Pintscher, ich studiere Informatik und bin Community Manager und zur Zeit auch Release Manager bei Amarok und mache Promotion und Community Sachen für KDE.
Was sind denn „Community Sachen“?
Ich bin Member in der Community Working Group, die dafür da ist Probleme, die im Umfeld des KDE Projektes sind, zu lösen, sowie die Zusammenarbeit zu fördern.
Kannst du uns kurz die Akademy beschreiben?
Die Akademy ist eine jährliche Entwicklerkonferenz von KDE, an der sich die Entwickler versammeln und teils neu kennen lernen, um das folgende Jahr zu planen, sowie um Diskussionen über wichtige Entscheidungen zu führen, da dies so einfacher ist als über IRC und Mailing Listen.
Was war Fokus dieser Akademy?
Der Hauptpunkt war das Kennenlernen von Nokia nach deren Übernahme von Trolltech; ein weiterer Punkt war die Integration von KDE auf kleine Geräte, z.B. beim N810, von denen Nokia etwa 150 Stück an die Entwickler verteilt hat.
Wie war dein persönlicher Eindruck von der Akademy?
Es hat super viel Spaß gemacht und war sehr produktiv und erfolgreich. Das Wichtigste für mich persönlich war es viele Mitwirkende von KDE wiederzusehen bzw. zum ersten Mal persönlich zu treffen. Zum Beispiel waren 7 Summer-of-Code/Season-of-KDE Studenten von Amarok angereist. Die Akademy gab ihnen die Möglichkeit die Menschen hinter dem KDE Projekt zu treffen und ich glaube, dass es dazu beiträgt, dass sie auch nach dem Summer-of-Code an Amarok mitwirken.
Welcher Eindruck von Nokia ist entstanden?
Sie haben sich als Unterstützer des KDE Projektes präsentiert ohne aufdringlich zu sein. Sie scheinen ernsthaft an Kollaboration in ganz verschiedenen Bereichen mit KDE interessiert zu sein.
In welcher Weise findet die Unterstützung von Nokia statt?
Sie waren Hauptsponsor von der Akademy und es wird weitere Zusammenarbeit in der Zukunft geben.
Gibt es Unterschiede zu der Zeit, als Trolltech noch eigenständig war?
Es unterscheidet sich in der Menge der finanziellen Mittel, die verfügbar sind. Einige Leute sind skeptisch, was die Beweggründe von Nokia angeht, aber diese wurden in Vorträgen und Gesprächen zu großen Teilen abgebaut.
Du hattest auf der Akademy ebenfalls einen Vortrag gehalten. Worüber handelte er?
Er war von Franz Keferböck und mir. Wir haben darüber gesprochen, wie man KDE in Zukunft ein professionelleres und besser organisiertes Auftreten auf Messen und anderen Events geben kann und welche Infrastruktur wir dafür schaffen müssen.
Wurden Ergebnisse davon bereits auf der FrOSCon umgesetzt?
Wir haben eine Checkliste ausgearbeitet und diese wurde natürlich angewendet. An sich war es aber zu kurzfristig, um viel umzusetzen.
Welche konkreten Dinge gehören dazu?
Es soll für die jeweiligen Organisatoren leichter werden und in diesem Zuge sollen die Webseiten dazu ausgebaut werden. Es sind im wesentlichen mehr organisatorische Dinge als inhaltliche, sowie erste Pläne für neue Standdekoration und Ähnliches.
Im Rahmen der Akademy fand auch die Hauptversammlung des KDE e.V. statt. Kannst du uns nennenswerte Auskünfte dazu erteilen?
Es wurden viele wichtige Dinge besprochen, den KDE e.V. und KDE betreffend, unter anderem wurde ein Code of Conduct von den Mitgliedern des KDE e.V. bekräftigt. Und die Community Working Group wurde bestätigt. Zudem wurde das Fiduciary License Agreement ebenfalls bestätigt.
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Kann man euren CoC mit dem Ubuntu CoC vergleichen, gibt es Unterschiede?
Wir haben den Ubuntu CoC als Grundlagen genommen und an das KDE Projekt und seine Bedürfnisse angepasst. Das Ergebnis unterscheidet sich jetzt doch deutlich von dem Ubuntu CoC. Zum Beispiel haben wir den „Be Pragmatic“-Gedanken aufgenommen.
Ein Tagesordnungspunkt war die Zukunft des KDE Entwicklungsmodells, kannst du dazu näheres sagen?
Dirk Müller und Sebastian Kügler haben am Samstag einen Vortrag zu den aktuellen Gegebenheiten und ihren Vorstellungen für die Zukunft gehalten. Am Mittwoch gab es noch eine Bof-Session, an der ich leider nicht teilnahm.
Wie sind die Vorstellungen für die Zukunft?
Konkrete Entscheidungen wurden im Vortrag nicht genannt, sondern waren einfach Gedankenanstöße, die dann in der BoF-Session weiter ausgeführt wurden. Ergebnisse werden sich wohl in den kommenden Monaten zeigen.
Und zum Abschluss die unvermeidbare Frage: wann kommt Amarok 2? ;)
Aktueller Plan ist Oktober, je nach Gegebenheiten müssen wir das eventuell noch anpassen. Wir versuchen allerdings es natürlich bis Oktober zu schaffen und arbeiten sehr hart dran.
Vielen Dank für das Interview, Lydia!
Bitteschön.
Das Interview wurde geführt von Arthur Schiwon.

