Interview: Tobias König über die Entwicklung von Akonadi

Tobias König auf den Chemnitzer-Linux-Tagen 2008 mit Konqui auf der Schulter

kubuntu-de.org im Gespräch mit Tobias König

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Tobias König ist Informatikstudent und einer der Hauptentwickler von Akonadi, eine der innovativen Technologien, die es noch nicht in die erste Version von KDE 4 geschafft haben. Akonadi soll eine plattformunabhängige, innovative Speicherlösung für persönliche Daten werden. Im Interview erzählt Tobias König über seine Einbindung in die Entwicklung der KDE-Desktopbumgebung und die Entwicklung und Funktionen von Akonadi.

kubuntu-de.org: Du bist ja sehr stark in die KDE-Entwicklung eingebunden. Was machst du wenn du dich gerade nicht mit KDE beschäftigst?

Tobias König: Wenn ich nicht gerade an KDE entwickle studiere ich Allgemeine Informatik an der HTW Dresden. Nebenbei arbeite als freier Mitarbeiter für die credativ GmbH

kubuntu-de.org: Wer ist die credativ Gmbh und was machen die?

Tobias König: Die credativ GmbH bietet Dienstleistungen rund um Freie Software an. Ein Großteil der Mitarbeiter kommen auch aus dem Open Source Umfeld, so zum Beispiel dem Debian-Projekt oder von Postgres. Aber auch ein paar KDE-ler arbeiten da :)

kubuntu-de.org: Könnte man also sagen, du hast dein Hobby zum Beruf gemacht?

Tobias König: Ja, sozusagen :). Hauptsächlich bin ich aber noch Student für die nächsten 2,5 Jahre.

kubuntu-de.org: Also rund um die Uhr mit Open Source Software beschäftig ; ) Könntest du uns erzählen in welchen KDE-Projekten du überall aktiv bist und welche Aufgaben du dort übernommen hast?

Tobias König: 'Zu Hause' bin ich im KDE-PIM Projekt. Das ist ein Subprojekt von KDE, welches sich mit Personal Information Management, also Kalendern, Adressbüchern und EMails, befasst. Neben der Betreuung von KAddressBook helfe ich bei der Entwicklung von Akonadi, dem neuen PIM-Storage. Während der Portierung von KDE3 auf KDE4 habe ich aber auch hier und da in den Kernbibliotheken von KDE mitgearbeitet.

kubuntu-de.org: Akonadi ist ein gutes Thema. Könntest du erläutern was genau das ist? Gibt es nicht schon genug Groupware-Lösungen, die versprechen mit allen möglichen Dateitypen zurecht zu kommen?

Tobias König: Das Wichtigste zuerst: Akonadi ist kein Groupware Server!. Akonadi ist vielmehr ein Zwischenspeicher und eine Abstraktionsschicht für PIM-Daten, ähnlich wie Phonon für Multimedia oder Solid für Hardware. Akonadi abstrahiert den Zugriff und die Verwaltung der Daten für das restliche System (z.B. dem Adressbuch oder dem Kalender), indem es alle Daten über eine einheitliche Schnittstelle anbietet. Das bringt einige Verbesserungen gegenüber KDE3: 1. Die PIM-Daten müssen nur einmal im Speicher gehalten werden. 2. Man hat eine zentrale Instanz, welche jede Veränderung der Daten mitbekommt und somit andere Komponenten über diese Veränderungen informieren kann. 3. Das ganze Akonadi-Framework verfolgt einen asynchronen Kommunikationsansatz - ein Blockieren der Benutzerschnittstelle beim Laden oder Speichern von Daten sollte nicht mehr vorkommen.

kubuntu-de.org: Das ist ja schon mal eine ganze Menge: So wie ich das jetzt verstanden habe, wird der Zugriff auf die PIM-Daten einfacher und trotz zusätlicher Software auch schneller. Wie wirkt sich das ganze für den einfachen Otto-Normalnutzer aus? In KDE 3 gab es ja auch schon zahlreiche Möglichkeiten, dass mehrere Programme auf eine Resource zugreifen. Kopete und Konversation können ja beispielsweise mit Kontact synchronisiert werden. Worin besteht also der Unterschied dazu?

Tobias König: Der Benutzer profitiert von Akonadi, da es keine Inkonsistenzen zwischen den verschiedenen Darstellungen auf dem gesamten Desktop geben wird. Ändert man einen Kontakt im Adressbuch, aktualisiert sich auch gleich das Plasmoid, welches Geburtstage anzeigt. Der Speicherverbrauch wird ebenfalls geringer, da nur noch der Akonadi Server alle Daten im Speicher behalten muss.

Es ist nun auch möglich die PIM-Daten besser in andere KDE Programme zu integrieren. Neben dem Namen des Eigentümers einer Datei, könnte z.B. auch sein Bild im Dateiberechtigungsdialog angezeigt werden. Da die Komponenten, welche die Daten zwischen dem Akonadi Server und Datenquelle (z. B. Groupware-Server) transportieren, in separate Prozesse ausgelagert sind, führt eine schlecht programmierte Komponente auch nicht gleich zum Absturz des gesamten Systems. Die abgestürzte Komponente wird einfach wieder neu gestartet und die Daten werden neu geladen.

kubuntu-de.org: Das riecht ja förmlich nach Innovation! Werden mit Akonadi auch neue oder verbesserte Ressourcentypen kommen?

Tobias König: Die Hauptaufgabe wird sein, die existierenden Ressourcen auf Akonadi zu portieren. Durch die saubere, asynchrone Schnittstelle in Akonadi dürfte sich die Zuverlässigkeit der Ressourcen zudem verbessern. Im Moment wird zum Beispiel gerade an einer Ressource für den Zugriff auf MS Exchange gearbeitet. Die Entwickler des alternativen KDE EMail Programms Mailody entwicklen zudem eine Ressource, welche auf Daten mittels IMAP zugreift. Damit ist der KDE-Klient für den Kolab Groupware Server nicht mehr auf KMail angewiesen, sondern kann direkt über Akonadi mit dem Kolab Server kommunizieren.

kubuntu-de.org: Und das wird mit 4.1 umgesetzt sein?

Tobias König: KDE 4.1 wird Akonadi als Entwicklerplattform enthalten. Das bedeutet, dass die APIs stabil sind und man den Dienst benutzen kann. Es werden aber höchstwahrscheinlich noch nicht alle PIM-Programme von Akonadi gebrauch machen, da es einfach an den Entwickler-Ressourcen fehlt.

kubuntu-de.org: Also wird KDE4-PIM von Anfang an auf Akonadi aufsetzen?

Tobias König: Ja, aber wir haben da auch einen Migrationspfad geplant, womit man das alte Ressource-Framework in Akonadi integrieren bzw. über das alte Ressource-Interface auf Akonadi zugreifen kann.

kubuntu-de.org: Wie kann man sich in die Entwicklung einbringen?

Tobias König: Einfach die KDE-PIM-Entwickler auf kde-pim@kde.org oder auf #kontact kontaktieren und fragen wo man helfen kann. Gerade das Portieren einiger Ressourcen auf die Akonadi API sollte ein guter Einstieg in die Akonadi-Welt sein.

kubuntu-de.org: Die Entwicklung von Akonadi war ja länger etwas ... mmmh... langsam verlaufen. Was habt ihr für die nächste Zeit geplant um den Rückstand einzuholen?

Tobias König: Der etwas langsame Entwicklungsverlauf ist hauptsächlich dem Mangel an Entwicklern geschuldet. Im Moment wird die Hauptentwicklungsarbeit von 3-4 Leuten betrieben (wobei ich das Engagement von Volker Krause hervorheben möchte, ohne ihn wäre das Projekt sicher schon eingeschlafen!), wobei zwei Vollzeit arbeiten und die anderen beiden Studieren bzw. an ihrem Diplom arbeiten... da bleiben nur die Abendstunden oder Entwicklertreffen zum Hacken. Apropos Entwicklertreffen: Über das Osterwochenende wird es ein Akonadi-Hacking-Meeting im KDAB Office in Berlin geben. Dort werden wir dann die API nochmals überarbeiten und überprüfen. Im April findet ja der API-Freeze statt. Hoffentlich kommen wir auch noch dazu einige fehlende Features zu implementieren (vielleicht verstecken wir auch ein paar Easter-Eggs ;))

kubuntu-de.org: Das hört sich alles sehr spannend und innovativ an. Was uns als Kubuntu-Nutzer besonders interessiert: Welche Distribution nutzt du?

Tobias König: Debian Unstable ;). Das hat aber historische Gründe. Zu der Zeit, wo ich mein System aufgesetzt habe gab es noch kein Ubuntu. Und seit dem sah ich keinen Grund für eine Neuinstallation :)

kubuntu-de.org: Nutzt du KDE 4 eigentlich schon für deine tägliche Arbeit? Und wenn ja wie zufrieden bist du zurzeit damit?

Tobias König: Ja, ich verwende KDE 4 schon seit ca. 3 Monaten. Am Anfang war es nicht so schön, dass jeden zweiten Tag der Plasma Desktop nicht funktionierte, aber inzwischen ist es stabil und man kann durchaus damit arbeiten.

Allerdings sollte man damit leben können, dass hier und da noch nicht alles reibungsfrei läuft. Gerade in der aktuellsten Version (mit Qt 4.4 Beta) gibt es noch einige Ungereimtheiten, was das Fenstermanagement anbelangt. Dem Otto-Normalbenutzer würde ich aber empfehlen weiterhin 3.5 zu verwenden und frühestens mit 4.1 umzusteigen.

kubuntu-de.org: Hast du noch etwas, was du der Welt mitteilen möchtest?

Tobias König: Akonadi rocks! :)

kubuntu-de.org: Dann danken wir für diesen Einblick in die Entwicklung von Akonadi und freuen uns auf die Innovationen! Vielen Dank für das Interview.

Tobias König: Bitte sehr, gern geschehen :)